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Manchmal frage ich mich:

Sind Freelancer eigentlich Freiwild?
| ca. 4 Min. Lesezeit

Da sitzt man, rechnet, kalkuliert und überlegt, wie viel Zeit ein Projekt wohl benötigen wird.

Man beschreibt den Leistungsumfang, macht ein Angebot, verhandelt vielleicht noch ein wenig über den Preis – und freut sich schließlich:

Auftrag bekommen.
Also legt man los.

Man entwickelt Ideen, macht Entwürfe, diskutiert, verwirft wieder etwas, entwickelt ein Design, baut eine Website oder gestaltet ein Logo.

Und dann beginnt etwas, das wahrscheinlich sehr viele Freelancer aus der Kreativwirtschaft kennen:

„Könnten wir vielleicht noch …?“ Ja, natürlich.

„Und wäre es möglich, zusätzlich …?“ Ja, bekommen wir hin.

„Uns ist da noch etwas eingefallen …“ Auch das machen wir noch.

Aus dem ursprünglich vereinbarten Leistungsumfang wird langsam etwas ganz anderes.
Natürlich könnte man bei jeder zusätzlichen Kleinigkeit sofort den Taschenrechner herausholen und sagen: Stopp, das kostet extra.

In der Realität funktioniert die Zusammenarbeit aber häufig anders.

Man steckt mitten im Projekt. Man möchte ein gutes Ergebnis abliefern. Man möchte den Kunden zufriedenstellen. Und man möchte natürlich auch die Arbeit, die man bereits geleistet hat, am Ende bezahlt bekommen.

Also macht man weiter.
Und manchmal kommt dann der wirklich unangenehme Teil.
Die Arbeit ist erledigt.

Die Website steht. Das Design ist entwickelt. Das Logo ist fertig.
Und plötzlich beginnt die Diskussion darüber, ob das alles wirklich bezahlt werden muss.
Dann wird ausgerechnet über Leistungen gestritten, die längst erbracht wurden.

Besonders kurios wird es, wenn ein Kunde beispielsweise ein entwickeltes Logo selbstverständlich weiterverwenden möchte – gleichzeitig aber darüber diskutiert, ob er die Rechnung für diese Arbeit überhaupt vollständig bezahlen möchte.

Da denke ich manchmal:
Zum Mäusemelken.
Zum Glück sind die allermeisten meiner Kunden anders. Viele begleiten mich seit Jahren, manche sogar sehr lange. Man kennt sich, vertraut sich und weiß, dass auf beiden Seiten Arbeit geleistet wird, die ihren Wert hat.

Vielleicht ärgern mich gerade deshalb die wenigen anderen Fälle besonders.

  • Freelancer verkaufen keine Produkte, die irgendwo fertig im Regal liegen.
  • Wir verkaufen einen Teil unserer Lebenszeit.
  • Eine Stunde, die ich für einen Kunden arbeite, kann ich kein zweites Mal verkaufen.
  • Natürlich dürfen Kunden Anforderungen stellen. Natürlich darf man über ein Ergebnis diskutieren. Und selbstverständlich kann auch ein Freelancer einmal etwas falsch machen.

Aber zusätzliche Arbeit bleibt Arbeit.

  • Eine entwickelte Idee hat einen Wert.
  • Ein Entwurf hat einen Wert.
  • Ein Logo hat einen Wert.
  • Eine Website hat einen Wert.
  • Und auch die vielen kleinen Dinge, die während eines Projektes „noch schnell“ dazukommen, haben einen Wert.

Deshalb eine kleine Bitte:

Behandelt die Kreativwirtschaft und ihre Freelancer anständig.

Sprecht miteinander. Seid fair. Und wenn sich ein Projekt während der Arbeit verändert, dann redet auch darüber, was diese Veränderung für den Aufwand und die Kosten bedeutet.

Denn am Ende möchten wir eigentlich alle dasselbe:

Gute Arbeit abliefern.
Dafür fair bezahlt werden.
Und uns beim nächsten Anruf des Kunden auch wirklich freuen.