Muss meine Website eigentlich immer mehr Klicks haben?
29. August 2026 | ca. 4 Min. Lesezeit
Diese Fragen höre ich immer wieder. Und natürlich sind sie berechtigt.
Eine Website, die niemand findet, erfüllt ihren Zweck nur bedingt. Eine technisch und inhaltlich saubere Suchmaschinenoptimierung gehört deshalb für mich heute zu jeder professionellen Website. Gute Seitentitel, verständliche Inhalte, eine klare Struktur, schnelle Ladezeiten und eine technisch einwandfreie Umsetzung sind keine Kür.
Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir dabei etwas verwechseln:
Auffindbarkeit ist wichtig. Reichweite kann wichtig sein. Aber möglichst viele Klicks sind nicht automatisch ein Erfolg.
Was bedeutet eigentlich „erfolgreich“?
Viele Websites, mit denen ich zu tun habe, sind keine Onlineshops. Meine Kunden verkaufen keine Turnschuhe, Smartphones oder Versicherungsverträge, bei denen sich aus 100.000 Besuchern vielleicht eine bestimmte Zahl von Käufern errechnen lässt.
Es sind Verbände, Beratungsunternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen, Schulen, Organisationen oder hoch spezialisierte Dienstleister.
Für sie ist die entscheidende Frage oft nicht:
Wie viele Menschen waren auf unserer Website?
Sondern:
Haben die richtigen Menschen gefunden, was sie gesucht haben?
Eine Website mit 2.000 Besuchern im Monat kann für eine Organisation wesentlich erfolgreicher sein als eine mit 20.000 – wenn unter diesen 2.000 genau die Menschen sind, die sie erreichen möchte.
SEO ja – aber für wen?
Suchmaschinenoptimierung beginnt für mich deshalb nicht mit einer Liste von Keywords.
Sie beginnt mit einer viel einfacheren Frage:
Wer soll uns finden – und warum?
Wenn jemand nach einer bestimmten Beratungsleistung, einem Forschungsprojekt, einer Fachinformation oder einer Organisation sucht, sollte die entsprechende Website natürlich auffindbar sein.
Und wenn Google nicht versteht, worum es auf einer Seite geht, sollte man etwas dagegen tun.
Aber muss eine kleine spezialisierte Beratung unbedingt bei einem allgemeinen Suchbegriff auf Platz 1 stehen?
Vielleicht nicht.
Vielleicht ist es viel wichtiger, bei fünf sehr konkreten Suchanfragen von genau den richtigen Menschen gefunden zu werden.
Und dann kommt LinkedIn
Ähnlich sehe ich LinkedIn.
LinkedIn ist für viele meiner Kunden interessant. Aber nicht unbedingt deshalb, weil von dort möglichst viele Menschen auf die Website klicken sollen.
Eine Website und LinkedIn erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Die Website ist der Ort, an dem ich mich ausführlich präsentieren kann. Dort gehören meine Leistungen, Projekte, Positionen, Ansprechpartner und Fachinformationen hin. Sie ist meine eigene Plattform.
LinkedIn funktioniert anders.
Dort kann ich Menschen erreichen, bevor sie überhaupt nach mir suchen.
Ich kann auf ein Thema aufmerksam machen, eine Position vertreten, eine Diskussion anstoßen oder zeigen, womit ich mich gerade beschäftige. Und ich kann mit Menschen ins Gespräch kommen.
Genau das kann eine Suchmaschine nur sehr eingeschränkt.
Vielleicht ist „Relevanz“ das bessere Ziel
Natürlich schaue auch ich auf Besucherzahlen. Ich schaue, welche Seiten aufgerufen werden, woher Besucher kommen und welche Inhalte funktionieren.
Aber die nackte Zahl interessiert mich zunehmend weniger.
1.000 zusätzliche Klicks bringen wenig, wenn niemand davon etwas mit meinem Angebot anfangen kann.
Zehn Besucher, von denen zwei Kontakt aufnehmen, können dagegen ausgesprochen wertvoll sein.
Deshalb würde ich Erfolg einer Website nicht allein an Reichweite messen.
Mich interessieren mindestens genauso sehr andere Fragen:
Wer kommt auf die Website?
Was sucht diese Person dort?
Findet sie es schnell?
Versteht sie, was die Organisation anbietet oder wofür sie steht?
Entsteht daraus ein Kontakt, ein Gespräch oder zumindest Vertrauen?
SEO ist ein Werkzeug, kein Geschäftsmodell
Vielleicht liegt genau hier das Missverständnis.
SEO ist wichtig. Eine technisch gute Website ist wichtig. Gute Inhalte sind wichtig. LinkedIn kann wichtig sein. Und selbstverständlich sollte man messen, was davon funktioniert.
Aber all diese Dinge sind Werkzeuge.
Das eigentliche Ziel sollte nicht lauten:
Wir brauchen mehr Klicks.
Sondern:
Wir wollen von den richtigen Menschen wahrgenommen, gefunden und verstanden werden.
Und manchmal sind dafür 500 richtige Besucher wertvoller als 50.000 zufällige.